Willkommen

 
Kontakt

Museumsdorf Baruther Glashütte
Museumsverein Glashütte e.V.
Hüttenweg 20, 15837 Baruth Glashütte
Tel. 033704/9809-0
Fax 033704/980922,
E-Mail an uns

 
Suchen

 
Statistik
Besucher:2836089
Heute:130
Online:2
 
Wohnen und Arbeiten

Ausschreibungen zur Vergabe von Erbbaupachtverträgen für Grundstücke im Museumsdorf Glashütte

Objekt Nr. 1 – Eingeschossiges Mehrfamilienhaus mit Nebengelass am Hüttenweg 6

Lage: Gemarkung Klasdorf, Flur 11, Flurstück 75
Größe: 7.375 m²
Zustand: Sanierungsbedürftig
Nutzfläche: 217 m² - davon sind 165 m² vermietet
Verkehrswert: 70.000 Tsd. Euro
Erbbauzins: 4 – 5%
Jahrespacht: 2.800 – 3.600 Euro

Objekt Nr. 2 – Wohn- und Geschäftshaus (Hegemeisterhaus)

Lage: Gemarkung Klasdorf, Flur 11, Flurstück 64
Größe: 1.362 m²
Zustand: Sanierung der Außenhülle ist abgeschlossen, Innenausbau muss
übernommen werden
Nutzfläche: Bruttogrundfläche rund 512 m²
Verkehrswert: 210.000 Tsd. Euro
Erbbauzins: 4 – 6%
Jahrespacht: 8.400 – 12.600 Euro

Schriftliche Bewerbungen richten Sie bitte an den Landkreis Teltow-Fläming, Bauamt, Am Nuthefließ 2, 14943 Luckenwalde.

Besichtigungen können unter der Verbindung 03371/6084531 (Herr Heinrich) oder 03371/6084521 (Frau Dittwald) vereinbart werden.

Bevorzugt werden Bewerberinnen und Bewerber, die touristisch attraktive Gewerbe anbieten und den heutigen Bestand des Museumsdorfes ergänzen.
Dies könnten anschauliche Produktionsstätten und Formen der Direktvermarktung sein.

Geschichte

Diese Seite ist im Aufbau. Wir bitten um Ihr Verständnis.

1716

Die Gründung der Baruther Glashütte im Jahr 1716 bis zum Beginn der Industrialisierung

Bereits im 13. Jahrhundert war in der Baruther Region versucht worden, Glas zu schmelzen. In einer Urkunde des Klosters Dobrilugk (Doberlug) wird 1234 erstmals eine Glashütte bei Baruth erwähnt. Sie wurde vermutlich unter den Herren von Schlieben - den Besitzern der Herrschaft Baruth bis 1582 - gebaut und betrieben. Über ihren genauen Standort ist allerdings ebenso wenig bekannt, wie über ihre Betriebsdauer und Produkte. Ausführlichere Nachrichten sind aus dem frühen 18. Jahrhundert überliefert.

Im Jahr 1711 plante der französische Hüttenfaktor Sebastian Massar, der bereits in Friedrichsthal bei Senftenberg kurzzeitig eine Spiegel- und Tafelglashütte gepachtet hatte, den Bau einer Glashütte bei Paplitz, etwa 3km nordwestlich von Baruth gelegen. Damals befürchtete man aber einen zu hohen Holzverbrauch und nahm von diesem Vorhaben Abstand.

1716 berief Graf Friedrich Siegmund zu Solms-Baruth (1669-1737) dann den Glasmachermeister Gottlob Bernsdorf aus Lieberose, eine Glashütte in seiner Herrschaft zu errichten. Im Jahr zuvor hatte eine Sturm ausgedehnte Waldflächen niedergerissen. Wegen der niedrigen Holzpreise wurde Bernsdorf nun in einem Pachtvertrag vom 23. März 1716 eine Fläche von 450 mal 150 m zugeteilt, auf der er das Recht zur Anlage einer Glashütte sowie der dazu nötigen Gebäude, zur Viehhaltung und zur Pottaschesiederei erhielt. Für die Pottaschesiederei, in der man aus Holz das damals verwendete Flussmittel für die Glasherstellung gewann und für die Ofenfeuerung wurden ihm jährlich 1000 Klafter Holz (etwa 3340 m3) für 125 Taler bewilligt. Mit dem alchemistisch-empirischen Wissen seiner Zeit stellte Bernsdorf aus gewöhnlichem Sand und Pottasche grünes Waldglas her. Bereits 1724 musste er aber Konkurs anmelden und die Hütte an ein Konsortium aus Dresdener Handelskapitalisten und den Glasmachern Phillip Exner und Leberecht Reuter verkaufen. Die neuen Hüttenfaktoren Exner und Reuter ließen unter Beratung des Potsdamer Hütteninspektors Krüger, der sich finanziell ebenfalls beteiligte, 1735 die alte Hütte abreißen und errichteten einen neuen Schmelzofen zur Tafel- und Hohlglasfertigung. Aber auch die Mitarbeit der "kunsterfahrenen" Glasmacher Johannes Eibenstein und Christian Kunckel sowie des Schmelzers Georg Kunckel und die Zusammenarbeit mit der königlich preußischen Glashütte in Zechlin konnten dem Betrieb nicht aus den finanziellen Schwierigkeiten heraushelfen. Übrigens waren die Brüder Kunckel Söhne des berühmten Alchemisten und Verfassers des zeitgenössischen Standardwerkes der Glasmacherkunst "Ars vitraria experimentalis". In der Zeit von 1740 bis 1749 kam es sogar zu einem vollständigen Stillstand der Hütte. Erst als Hüttenfaktor Friedrich Wilhelm Hellwig aus Glücksburg bei Wittenberg die Leitung übernommen hatte, gewann die Baruther Glashütte ein gutes Renommee in der Glasherstellung.

Hüttenmeister Wander, die Glasmacher Göhlsdorf, Flemmer, Biltz, Schindler und Greiner, führten nach seinem Ruhestand im Jahre 1767 den Betrieb unter der Leitung von Graf Friedrich Gottlob Heinrich (1727-1787) fort. Die Glasmacher stellten hauptsächlich grüne Flaschen und Tafelglas (Fensterglas) her. Zu dieser Zeit befanden sich neben den Hüttengebäuden mit Glas-, Kühl-, Streck- und Temperöfen, ein Herrenhaus mit Stall und Keller, ein Stampfhaus, ein Lager- und Vorratshaus sowie fünf Wohnhäuser im Ort. Doch infolge der Konkurrenz böhmischer Glaswaren, die überall in Europa verkauft wurden sowie der Preissteigerungen für Rohstoffe und innerbetrieblicher Streitigkeiten kam es in den Jahren 1768 und 1770 erneut zum Stillstand des Glaswerkes.

Anschließend stabilisierte sich das Unternehmen wieder und in der Baruther Umgebung etablierten sich weitere Industriezweige. Die ausgedehnten Waldbestände der Herrschaft Baruth boten ausreichend Holz für die Anlage von Eisenhütten und -hammerwerken, Ziegeleien, Pechhütten sowie Pottaschesiedereien. Neben dem Brennholzhandel betrieb man auch die Holzverarbeitung. Baruther Holz diente zum Bau der Havel- und Spreeschiffe aber auch einfache Holzgefäße und -werkzeuge wurden bis nach Berlin geliefert. Weiterhin entstanden eine Wassermühle, ein chemisches Laboratorium sowie Topf-, Leder- und Hutfabriken als Ausdruck adligen Unternehmertums.

Für die Jahrhundertwende ist die Produktion von "schönem blauen Glas und anderen Gefäßen" überliefert und 1810 übernahm man den ehrenvollen Auftrag, die Scheiben für das Oberlicht des Mausoleums der preußischen Königin Louise im Park des Berliner Schlosses Charlottenburg zu fertigen. Dennoch führten Revolutionskriege und Holzmangel um die Jahrhundertwende zur zeitweiligen Einstellung des Betriebes der zweiten Hütte. Nur im ersten Hüttengebäude wurden noch grüne Flaschen und gewöhnliches Fensterglas gefertigt. Um 1814 kam es zu einem erneuten Stillstand des Glaswerkes. Im Zusammenhang mit der, nach den Napoleonischen Kriegen, auf dem Wiener Kongreß 1815 beschlossenen territorialen Neuordnung Europas kam der nördliche Teil des Königreiches Sachsen und damit auch die Herrschaft Baruth an Preußen. 1822 wurde die Teilung der Herrschaft Baruth überwunden und Graf Friedrich Heinrich Ludwig (1795-1879) übernahm den Betrieb und führte ihn zusammen mit Hüttenfaktor Schulz und "tüchtigen" Arbeitern in seine Blütezeit.

Das zufällige Naturereignis am Anfang der Hüttengeschichte und die erwähnten Betriebsstillstände lassen die Baruther Glashütte in dieser Zeit nicht als bedeutendes "Etablissement" erscheinen. Im 18. Jahrhundert ist die Baruther Glashütte aber wichtiger Bestandteil eines adligen Unternehmertums des Grafen Friedrich Gottlob Heinrich und seiner Söhne. Die Glashütte wurde in einer kameralistisch-merkantilistischen Wirtschaftsgesinnung ebenso gefördert wie die damals überregional bekannten Eisenwerke am Hammerfließ, der Holzhandel und die Holzverarbeitung. Die Herrschaft Baruth sollte so zusätzliche Einnahmen und eine größere wirtschaftliche Unabhängigkeit erhalten. Glashütte ist deshalb mit seinen alten Häusern im Ostteil des Dorfes und den Mauerresten der ersten Hüttenstandorte nicht nur anschaulich für die weitverbreitete Waldglasproduktion und die alchemistischen Anfänge der Glasherstellung, sondern auch für das erwähnte kameralistisch motivierte adlige Unternehmertum, das im 18. Jahrhundert in ganz Europa praktiziert wurde, heute aber nur noch durch wenige Betriebsanlagen dokumentiert ist.

1822-1879

Die Blütezeit der Baruther Glashütte 1822 - 1879
Im 19. Jahrhundert erlebte die Waldglashütte im Baruther Urstromtal einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung. Bereits im Jahr 1822 unternahm man in der zweiten Glashütte den Versuch, die Öfen mit Torf aus der Umgebung zu heizen und grünes Hohlglas zu fertigen. In der alten Hütte wurde weiterhin gewöhnliches Tafelglas an holzgefeuerten Öfen hergestellt. Da sich die Torffeuerung in der zweiten Glashütte nicht bewährte, kehrte man zur Holzfeuerung zurück und fertigte hier weiterhin Flaschen und das zunehmend gefragte weiße Hohlglas. Nachdem sich auch andere Glasfabriken Brandenburgs etabliert hatten, ging die Nachfrage nach weißem Hohlglas und gewöhnlichem Tafelglas zurück. Außerdem wirkten sich die politischen Unruhen in Deutschland im Zusammenhang mit der Pariser Julirevolution im Jahr 1830 und auch der Bevölkerungsrückgang durch Cholera und Pest nachteilig auf den Absatz von Glasprodukten aus. Deshalb wandte man sich in Glashütte der Fertigung einer neuen Glassorte zu. Nachdem der Faktor Ferdinand Adolph Schulz im Jahr 1828 die Leitung der Glashütte übernommen hatte, begann er gemeinsam mit erfahrenen Glasmachern und mit Unterstützung des Besitzers Graf Friedrich Heinrich Ludwig (1795-1879) ein besonders reines Milchglas zu schmelzen. Bereits in Johannes Kunckels 1689 erschienenem Buch "Ars vitraria experimentalis", dem Standardwerk der Glasmacherkunst, wurde die Fertigung eines porzellanartigen Glases durch den Zusatz von Knochen- oder Hirschhornasche beschrieben. Diese Rezepturen wurden in Glashütte weiter entwickelt bis durch den Zusatz von Schafsknochenasche die Fertigung eines besonders reinen Milchglases gelang. Das hochwertige Baruther Milchglas war aber keine zufällige oder zusammenhanglose Entwicklung. Vielmehr sind die kostenintensiven Bemühungen dieser Zeit eine Reaktion auf die in den Großstädten beginnende Industrialisierung des Lichts: Seit 1783 hatte man mit der Argand-Lampe eine Beleuchtungsart, die durch einen veränderten Docht und hinzugefügten Glaszylinder ein so wesenlich helleres Licht verbreitete, dass es durch milchweißes Glas "mild und gleichförmig" geteilt werden mußte. Diese Neuerung und das seit 1830 aufkommende, noch strahlendere Gaslicht waren der wirtschaftlich-kulturelle Hintergrund für die Versuche und Erfolge im dunklen Glasmacherort bei Baruth. Die steigende Nachfrage nach Lampenschirmen und -zylindern aus Milchglas führte im Jahr 1844 zum Bau eines dritten Hüttengebäudes mit einem besonderen Glasofen mit sechs Glashäfen, in dem monatlich etwa 25 000 Lampenschirme gefertigt wurden. Außerdem produzierte man in Glashütte zu dieser Zeit Tafelglas in den Farben blau, lila, gelb, grün, rot und milchweiß. Bereits im Jahr 1841 hatte Graf Friedrich Heinrich Ludwig die Glashütte Friedrichsthal bei Senftenberg gekauft, die bis 1896 Filialbetrieb von Glashütte blieb.

Im Jahr 1861 entstand die vierte Glashütte, die mit einem energiesparenden Siemens-Rege-ne-rativ-ofen ausgerüstet wurde sowie weitere Wohn- und Produktionsgebäude im Westen des Ortes. Bereits 1853 war ein neues Schulhaus am östlichen Ortsrand fertiggestellt worden, das neben einem Unterrichtsraum für die Kinder des Dorfes und der Lehrerwohnung auch einen Betsaal für evangelische und katholische Gemeindemitglieder enthielt. Ein Jahr später gründete sich im Ort ein Männgergesangsverein und 1896 ein Männerturnverein. In ihnen fand die ständig wachsende, weitgehend männliche Belegschaft der Glasfabrik einen Ausgleich zur Schwerstarbeit an Schürgang, Schmelzofen und Schleifstein. Frauen, die nicht auf der Hütte, sondern hauswirtschaftlich tätig waren, trafen sich bei der Arbeit an den beiden Dorfbacköfen, wo sie gemeinschaftlich Brot und Kuchen backten, in den Waschküchen, in den hauseigenen Gärten oder in einem Handarbeitskreis. Im späteren 19. Jahrhundert erhielt der Ort einen Gasthof mit angeschlossenem Verkaufsladen, Tanzsaal sowie eine Kegelbahn und wurde so zu einer weitgehend selbständigen Siedlung.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich die Baruther Glashütte zur größten Glasfabrik in der Provinz Brandenburg entwickelt und nahm 1858 mit 119 Arbeitern und 6 Arbeiterinnen den zwölften Rang aller in Preußen ein. In den 60er Jahren fertigte man in Glashütte eine Million Lampenschirme und das Dreifache an Zylindern. Sie wurden zunächst vor allem an die Stobwassersche Lampenfabrik in Berlin geliefert, später zählten die Firmen S. Reich & Co., AEG Beleuchtungskörper, Siemens, Hauck & Edzardi, Brendel & Loewig sowie Franz & Conrad zu den Berliner Kunden. Handelsbeziehungen zu Kunden in England, Holland, Dänemark, Schweden und Amerika entwickelten sich aus der Beteiligung und Auszeichnung Glashütter Fabrikate auf den verschiedenen Welt- und Industrieausstellungen in London, New York, Stettin und Wien.

Wegen der seit dem 18. Jahrhundert herrschenden Holzknappheit, die vor allem die eisenverarbeitenden Betriebe der Herrschaft Baruth verursacht hatten, bemühte man sich in Glashütte, einen 1824 neugebauten böhmischen Ofen mit dem alternativen Brennstoff Torf zu befeuern. Auch der energiesparende Siemens-Regenerativofen in der 1861 erbauten, vierten Glashütte wurde versuchsweise mit Torf befeuert, um die Wälder der Herrschaft Baruth zu schonen. Mit der Fertigstellung der Berlin-Dresdener Chaussee im Jahr 1840 hatten sich auch die Transportbedingungen für das Unternehmen verbessert. 1875 wurde Glashütte über eine Pferdebahn an das entstehende Eisenbahnnetz angeschlossen. Rationalisierungsbemühungen dieser Art konnten aber nur wenig gegen die mächtige Konkurrenz der Lausitzer Glasfabriken bewirken, die gegen Ende des vorigen Jahrhunderts nahe den Kohlevorkommen und an den Strecken der Eisenbahnen entstanden waren. Der vorübergehende Niedergang der Baruther Glasfabrik scheint noch durch das Ausscheiden des langjährigen, innovativen Hüttenfaktors Schulz im Jahr 1877 und den Tod des Grafen Friedrich Heinrich Ludwig im Jahr 1879 beschleunigt worden zu sein.

1879-1948

Die Baruther Glashütte in der Regie verschiedener Pächter in der Zeit von 1879 - 1948
Verschiedene Umstände trugen zum wirtschaftlichen Rückgang des Unternehmens zum Ende des 19. Jahrhunderts bei: Die Betriebsleitung hatte an nicht mehr zeitgemäßen Betriebseinrichtungen festgehalten und die Konkurrenz der neuentstandenen Glashütten im Lausitzer Kohlerevier nahm zu. Außerdem wurde ab 1865 für die Milchglasherstellung zunehmend das Mineral Kryolith von schlesischen, böhmischen und amerikanischen Glasfabriken verwendet, während man in Glashütte weiterhin Schafsknochenasche verarbeitete. Nachdem der ehemalige Buchhalter Fuchs 1877 als Hüttenfaktor die Leitung des Unternehmens übernommen hatte, wurden die baufälligen Hütten im Ostteil des Ortes abgerissen und nur noch in der vierten Glashütte Beleuchtungsartikel hergestellt, wobei die dritte Glashütte lediglich als Reservehütte diente.1892 legte Hüttenfaktor Fuchs sein Amt nieder und danach übernahm der neue Pächter Carl König aus Görlitz das Unternehmen bis zu seinem Tod im folgenden Jahr. Er richtete die Ofentechnik in der Hütte für die Kohlefeuerung ein und ließ Flaschen in verschiedenen Farben, Formen und Größen fertigen. Die von Carl König in Glashütte neu angesiedelten Glasmacherfamilien zogen nach seinem Tod schnell wieder fort. 1894 übernahm ein Konsortium bestehend aus den Kaufleuten Amsel, von Loefen sowie aus acht Glasmachern, zwei Glasschleifern und einem Formenmacher die Glashütte. Nach wenigen Jahren verließen die Kaufleute das Unternehmen. Der ehemalige Glasmacher Wilhelm Schaal und der Hüttenmeister Adolf Gellrich übernahmen die technische Leitung und seit 1897 war der kaufmännische Leiter Alfred Kaiser für die Geschäftsführung der Glashütte verantwortlich. Schaal, Kaiser und Gellrich übernahmen 1904 auch die Pacht des Unternehmens und in den folgenden Jahren wurden Lampenschirme und -zylinder für die Petroleumbeleuchtung, das Gasglühlicht sowie für die elektrische Beleuchtung gefertigt. 1894 wurden Schleiferei und Einbindestube zur Verpackung der Glasprodukte errichtet. In der Schleiferei waren bis zu 20 Arbeiterinnen und Arbeiter beschäftigt. Sie verzierten vor allem farbig überfangene Lampenschirme mit aufwendigen Schliffen oder durch Ätz- und Sandstrahltechniken. Für die Entwicklung besonderer Verfahren zur Verzierung der Innenseite von Lampenschirmen, deren Muster durch den Lichteinfall besonders gut zur Geltung kamen, erwarb die Baruther Glashütte 1935 und 1938 Patente. Außerdem wurde bereits 1935 die Herstellung des Craquelé-Glases patentiert und mit der Fertigung marmorierter Lampenschirme, Schalen und Vasen begonnen. Ein weiteres Patent erhielt man für ein besonders formschönes Modell eines Milchglaslampen-schirms mit sechsfach geschwungenem Rand.

Im Jahr 1911 übernahm man die Glasfabrik Andreashütte in Wehrau bei Klitschdorf im Kreis Bunzlau/Schlesien als Tochtergesellschaft der Baruther Glasfabrik. In der 1842 gegründeten Andreashütte wurde neben Beleuchtungsglas vor allem das typische schlesische geschliffene Kristallglas gefertigt. Dieser wirtschaftliche Aufschwung wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen: Zum Ende des Jahres 1914 wurde die Baruther Glashütte stillgelegt. Nur fünf Glashütter Arbeiter blieben vom Militärdienst verschont. Die vorliegenden Aufträge wurden von der Andreashütte übernommen, in der auch vom Militärdienst befreite Glashütter Arbeiter beschäftigt waren. Im Zuge der kriegsbedingten Rohstoffknappheit verwendete man in der Andreashütte anstelle von Soda Sulfate als Flußmittel zur Glasherstellung. Auf diese Weise konnte allerdings kein hochwertiges, sondern nur leicht gefärbtes Gebrauchsglas gefertigt werden.
Im Oktober 1916 nahm auch die Baruther Glashütte den Betrieb wieder auf, nachdem einige Arbeiter "zur Aufrechterhaltung der Volkswirtschaft" vom Kriegsdienst befreit und Soldaten zur Arbeit in Glashütte abkommandiert werden konnten. Außerdem kamen Arbeiter von anderen stillgelegten Hütten der Region, beispielsweise aus Schönborn, nach Glashütte. In der Schmiede wurde eine Kriegsküche eingerichtet, um vor allem die auswärtigen Arbeiter mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen. Nachdem auch der Lebensmittelladen im Gasthof von der Hüttenleitung übernommen wurde, standen auch den Ortsansässigen kriegsbedingt lang entbehrte Nahrungsmittel, z.B. Grieß, Haferflocken und Fisch wieder zur Verfügung. Während des Krieges übernahmen Frauen und ältere Schulkinder die Arbeit der Männer. Sie transportierten die heißen Glaswaren zum Kühlofen, führten einfache Schleifarbeiten aus und verpackten die Glaswaren. In den Kriegsjahren wurde nur Gebrauchsglas, vor allem Beleuchtungsglas für die Eisenbahn, Lazarette und Kasernen sowie Konservengläser gefertigt.

Im Zusammenhang mit den revolutionären Ereignissen des Jahres 1918 wurde ein Betriebsrat eingeführt und eine Arbeitszeitverkürzung für die etwa 100 Beschäftigten von elf auf neuneinhalb Stunden durchgesetzt. Eine gewerkschaftliche Organisierung ist seit 1920 belegt. 1924 schloß sich auch die Glashütter Belegschaft einem zwölfwöchigen Streik der gesamten Glasbranche an und während der Weltwirtschaftskrise bestimmte monatelang Kurzarbeit die Lebensverhältnisse der Glasarbeiter. Die landwirtschaftlichen Betriebe der Nachbardörfer boten wenigstens einigen Glasarbeitern zusätzliche Verdienstmöglichkeiten. Außerdem konnte durch die Arbeit in den gepachteten Gärten sowie durch die Tierhaltung zumindest die Grundversorgung mit Nahrungsmitteln gesichert werden. In der Zeit der Kurzarbeit wurden auch gemeinnützige Arbeiten ausgeführt, beispielsweise die Pflasterung der Dorfstraße. Dennoch scheinen die zwanziger Jahre für das Unternehmen wirtschaftlich relativ erfolgreich gewesen zu sein. 1927 wird die Fabrikanlage durch den Bau einer Stempelstube - in der die Glasprodukte gekennzeichnet wurden - erweitert, da man die bisherigen Räume für das Ätzverfahren benötigte. Außerdem wurden an die vierte Hütte zwei Kühlöfen angebaut und eine Glasmalerei eingerichtet. Nachdem 1918 die Glashütte sowie die Direktoren- und Angestelltenwohnungen mit elektrischem Licht versorgt wurden, erhielt 1923 der gesamte Ort Anschluß an die Stromversorgung.

Fünf Jahre nach dem Tod von Wilhelm Schaal im Jahr 1915 änderte sich auch die Firmenbezeichnung in "Baruther Glashüttenwerke Kaiser & Gellrich". Nachdem auch der Teilhaber Adolf Gellrich aus dem Unternehmen ausschied, wurde die Firma seit 1924 allein von Alfred Kaiser geleitet und hieß bis 1948 "Baruther Glashüttenwerke Alfred Kaiser".

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde das Unternehmen Mitglied im sogenannten Hohlglaskartell. Damit galten vor allem einheitliche Verkaufs-, Liefer- und Zahlungsbedingungen sowie einheitliche Mindestverkaufspreise in der Glasbranche. Aufgrund der schlechten Auftragslage kam es 1934 erneut zu Kurzarbeit. In den folgenden Jahren erhält das Hüttengebäude eine Entlüftungsanlage und 1938 wird ein Gemeinschaftsraum erbaut, der nicht nur als Pausenraum, sondern auch für die in der Zeit des Nationalsozialismus üblichen Propagandaveranstaltungen dient. Außerdem entstanden Duschräume in der Nähe des Hüttengebäudes. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde das Unternehmen vom Hohlglaskartell als kriegswichtiger Betrieb eingestuft. Deshalb bekam der Betrieb ausländische Zwangsarbeiter zugeteilt, mit deren Hilfe Produktion und Forstwirtschaft bis zum April 1944 aufrecht erhalten werden konnten. In den Kriegsjahren wurden im Gasthof und Gemeinschaftsraum Mitglieder der Berliner Glasgenossenschaft untergebracht, deren Wohnungen zerstört worden waren. Der Ort blieb von direkten Kriegseinwirkungen verschont. In den letzten Kriegstagen starben aber einige Glasarbeiter, die nicht an der Front waren, in einem Gefecht in der näheren Umgebung. Während des Zweiten Weltkrieges und in der unmittelbaren Nachkriegszeit kamen mehr als zwanzig Glashütter Einwohner ums Leben.

1948-1980

Die Baruther Glashütte als VEB 1948 - 1980
Bereits im Dezember 1945 wurde Arbeit in der Glashütte unter der Leitung des ehemaligen Pächters Alfred Kaiser wieder aufgenommen. Der Betrieb gehörte zu den ersten wieder produzierenden Firmen der Region und etwa 100 Beschäftige verdienten hier ihren Lebensunterhalt. Fehlende Glasmacher und -schleifer wurden aus den noch still liegenden Lausitzer und Schlesischen Glashütten angeworben. Verpackungsaufgaben und auch körperlich schwere Transportarbeiten wurden von den Glashütter Frauen übernommen, die in den Nachkriegsjahren oft allein für den Lebensunterhalt der Familien sorgen mußten.

Im Dezember 1948 wurde die Glashütte in Volkseigentum überführt und von der VVB (Vereinigung Volkseigener Betriebe) Glas Keramik geleitet. In den folgenden Jahren wurde die Glashütte verschiedenen Glaswerken zugeordnet, z.B. den Glaswerken Großräschen, Tschernitz und Welzow, zuletzt gehörte sie zum VEB Vereinige Beleuchtungsglaswerke Dresden.

In den ersten Nachkriegsjahren kam es aufgrund mangelhafter Kohle und minderwertiger Rohstoffe immer wieder zum Produktionsausfall. Im Zusammenhang mit der Vergrößerung des Glasschmelzofens bauten die Arbeiter und Angestellten in zahlreichen unentgeltlichen Arbeitsstunden eine neue Gasgeneratorenanlage, die etwa 20m vom Hüttengebäude entfernt ist und 1950 in Betrieb genommen wurde. Außerdem wurde eine Glasmalereiabteilung mit zwei Elektrobrennöfen geschaffen. In den Nachkriegsjahren wurde vor allem Beleuchtungsglas, z.B. Kugeln, Decken- und Kronenschalen in verschiedenen Farben und in Überfangglas hergestellt. Allerdings wurde die Formenvielfalt der Beleuchtungsartikel aus der Vorkriegszeit nicht mehr erreicht. Weiterhin fertigte man in geringen Mengen auch Konservengläser an Halbautomaten.

Als die Nachfrage nach Beleuchtungsglas ständig abnahm, bereitete man die Umstellung der Produktion auf Glasballons für Weine, Moste, Säuren, Laugen und andere flüssige Chemikalien vor. Da für die Glasballonfertigung nur noch eine Glassorte geschmolzen wurde, riß man den alten Hafenofen ab und baute einen Wannenofen. Für diesen Ofentyp mussten neue Fundamente und Kanäle angelegt sowie eine Erhöhung des 30m hohen Schornstein um weitere 5m vorgenommen werden.
An den vier Arbeitsöffnungen des neuen Wannenofens wurden täglich in zwei Arbeitsschichten bis zu 1200 Glasballons gefertigt. Mit der Produktionsumstellung auf Glasballons war die Schließung der Schleiferei und Glasmalerei verbunden, ein Teil der Belegschaft musste also eine neue Arbeit aufnehmen.

In den 50er und 60er Jahren lebten in Glashütte noch etwa 200 Einwohner, von denen bis zu 125 in der Glasfertigung beschäftigt waren. Im Gegensatz zu den ständig geforderten Produktionssteigerungen wurden kaum finanzielle Mittel für die Instandsetzung der Betriebs- und Wohngebäude bereitgestellt. Dennoch engagierten sich die Einwohner für den Erhalt ihrer Wohnhäuser und unterstützten auch den Bau des Ferienlagers sowie des Konsums im Ort. Es wurden weiterhin Feste gefeiert, neben den staatlichen Feiertagen 1. Mai und 7. Oktober traf man sich nach wie vor zu Weihnachts- und Silvesterfeiern im Gasthof. Zu diesen Anlässen trat in den 60er Jahren auch ein gemischter Chor auf, dem 20 sangesfreudige Glashütter angehörten. Nachdem 1965 die Schule und auch der Gasthof ihre Tore schlossen, wurde es merklich ruhiger im Ort.

In den 70er Jahren ging die Nachfrage nach Glasballons, die auch ins Ausland exportiert wurden, deutlich zurück. Deshalb wurde 1976 die Fertigung von Beleuchtungsglas wieder aufgenommen und auch eine Schleiferei eingerichtet. Noch einmal wurden u.a. Lampenschirme für Kinderzimmer und Küchen sowie für die Beleuchtung des Parks des Neuen Palais in Potsdam gefertigt. Nur wenige Jahre später, am 30. September 1980, musste die Glashütte wegen Baufälligkeit und erheblicher Mängel am Gasleitungssystem geschlossen werden. Es blieb nicht einmal genug Zeit, um die flüssige Glasmasse aus dem Wannenofen zu verarbeiten. Ein mehrere Tonnen schwerer Glasblock befindet sich noch heute im Wannenofen. Unmittelbar vor der Schließung der Glashütte waren hier noch 40 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Ein Teil der Belegschaft fand in der Gerätemontage des Funkwerkes Köpenick, das einen Produktionsteil nach Glashütte verlegte, einen neuen Arbeitsplatz. Jüngere Mitarbeiter verließen den Ort, um in den benachbarten Industriebetrieben und im Bergbau zu arbeiten.