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Museumsdorf Baruther Glashütte
Museumsverein Glashütte e.V.
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Vorträge

Kulturgeschichte der Lampe, Vortrag am 27.2.2005

Lichtblicke
Die Baruther Glashütte und die Industrialisierung der Beleuchtung

Vortrag zur Sonderausstellung, 27.2.2005. Es gilt das gesprochene Wort
Es werden Objektfotos gezeigt, die zusammen mit wertvollen Archivalien im März in einer Broschüre publiziert werden. Wir nehmen gerne Bestellungen entgegen.

Georg Goes

Glas, Glas, was ist das?
Es glänzt wie Wasser und es ist nicht nass.
Gieß’ Wasser in ein Glas
Klar und rein:
Es wird wie Glas im Glase sein.
Und ist es Wein,
Dann ist das Glas voll Farbe und Duft
Und selber das Glas ist nichts oder Luft:
Eine Form aus Luft, eine Form aus nichts,
Ein leeres leuchtendes Kind des Lichts.

Ausschnitt aus:
Gerhart Hauptmann: „Ährenlese“

Ein leeres leuchtendes Kind des Lichts.
Recht eigentlich ist unser Thema: Glas ist auch eine leuchtende Mutter des Lichts.

Und noch ein, vielleicht besseres, Zitat:
„Glas ist der Zauber gefrorenen Lichts“ – dieses Wort des Glasgestalters Wilhelm Wagenfeld (1900-1990) umschreibt die harmonische Beziehung zwischen immateriellem Licht und dem Material Glas.

Das Museum Baruther Glashütte widmet sich dieser Beziehungsgeschichte in 2004/05 mit einer Sonderausstellung »Lichtblicke. Kulturgeschichte der Beleuchtung von 1700 bis heute«.

Der Vortrag will mit Ihnen dieses Thema besichtigen und legt dabei einiges Gewicht auf den Denkmalort Baruther Glashütte, der als das schönste Glasmacherdorf Deutschlands gelten kann. Ich will Ihnen während des Vortrages ausgewählte Leuchten vorstellen.
Ohne Glas aus den Hütten wäre der Fortschritt in der Lichttechnik und Lichtkultur seit dem 18. Jahrhundert nicht denkbar gewesen. Mit Schirmen und Kaminen aus Glas lieferten sie unverzichtbare Bestandteile der »Lichtmaschinen«, wie der Universalgelehrte Count Rumford (1750-1814) die neuen Leuchten bezeichnete.

Andererseits förderten die Leuchtenindustrie und seit dem späten 19. Jahrhundert auch Glühlampenhersteller sowie Lichttechniker im Gegenzug auch die Entwicklung und Verwissenschaftlichung der Glasbranche. Besonders das Gasglühlicht (1885) und das elektrische Licht (Edison-Lampe, 1879) stellten hohe Anforderungen an die Qualität und Hitzebeständigkeit des durchscheinenden Materials.

Was hat dies mit unserem Denkmalort zu tun?

Die Baruther Glashütte war im 19. Jahrhundert berühmt für ihre Lampenschirme. 1716 gegründet, hatte das zunächst kleine Werk mit geringem wirtschaftlichen Erfolg Apothekerglas, Kelchgläser und Fensterglas hergestellt. Erst seit 1830 konnte sich die dann gräflich Solms’sche Glasfabrik einen guten Ruf erwerben und große Absatzerfolge erzielen. 1861 wurde ein für die Zeit hochmoderner Siemens-Regenerativ Hafenofen gebaut – vermutlich der erste seiner Art auf dem europäischen Kontinent.

Die Expansion des Baruther Standortes geschah vor dem Hintergrund einer wachsenden Nachfrage nach Beleuchtungsglas und einer Reihe von lichttechnischen Innovationen. Von der Antike bis in die frühe Neuzeit hatte es keinen nennenswerten Lichtzuwachs und kaum technische Verbesserungen der Lampen gegeben gegeben. Sie kennen das Bibelwort: „Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es denn allen, die im Hause sind“. Matthäus 5, 14.16. Erst die Aufklärung – englisch bezeichnenderweise enlightenment (!) – und Industrialisierung brachten hier ungeahnte Veränderungen. Vor gut zweihundert Jahren entwickelte Aimé Argand (1755-1803) mit einem Team auf der Grundlage der Sauerstoff- und Oxidationstheorie Antoine Laurent de Lavoirsiers (1743-1794) im Jahr 1783 in Paris eine neue Öl-Lampe ungekannter Helligkeit. Diese »französische Leuchte« hatte drei wichtige technische Details: Hohldocht, Glaszylinder und Stellrad und hatte so die dreifache Lichtintensität im Vergleich zum herkömmlichen offenen Licht der Kerze, das auch stärker rußte und roch als der Argand-Brenner.

Falsch ist übrigens die Lexikon-Aussage, Argand habe den Petroleumbrenner erfunden.

Die große Helligkeit – etwa 15 gegenüber 5 Watt - wirkte verblüffend auf das Publikum. Auch Count Rumford war beeindruckt: »Die Flamme der Argandlampe aus der Nähe zu betrachten, ist unmöglich, wie jedermann weiß«.

Für uns lichtverwöhnte Menschen der Gegenwart eher belustigend.

Die nächste Innovation ereignete sich auf dem Felde der Gasbeleuchtung: 1803 setzte William Murdoch (1754-1839) in einer Fabrik erstmalig Gaslicht ein. Das Argand-Licht, das Gaslicht wie auch das Petroleumlicht (80 Jahre nach dem Argand-Licht - 1859) mussten abgeschirmt und gestreut werden – im Gegensatz zum Kerzenlicht, das man mühsam versuchte, durch Reflexion zu vermehren.

Schusterkugeln, die Handwerker zur besseren Beleuchtung Ihrer Arbeitsplätze nutzten, sind hierfür ein Beispiel.

Zitat:

»Das Licht, das durch die schwebende Glaskugel auf den Arbeitstisch fällt, ist das Reich fantastischer Geister; es füllt die Einbildungskraft mit wunderlichen Gestalten und gibt den Gedanken eine Färbung, wie sie ihnen keine andere Lampe, patentiert oder unpatentiert, verleihen kann« (Wilhelm Raabe, Der Hungerpastor).

Leuchte mit Schusterkugeln, um 1870
Leihgabe Heimatmuseum Jüterbog

In diesem und in dem Zitat Wagenfelds sind neben einer gewissen Verklärung des Werkstoffes Glas auch reale Kerne enthalten. Die Patentierung grassierte tatsächlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Raabe seinen Hungerpastor schrieb.

Also, Glas, Opalglas oder Kristall eigneten sich vorzüglich für diesen Zweck.

Beachten Sie bitte auch den Vortrag von Wolfgang Schwarze über Kronleuchter am 24. April 2005 im Museumsdorf Glashütte.

Glaszylinder waren die idealen „Kamine“ auf den neuartigen Brennern – Blech als Material hatte sich nicht bewährt. Das war die Marktlücke der Baruther Glashütte.

Durch die Umstellung des Sortiments auf Beleuchtung erlebte der Baruther Standort eine Blütezeit. In einer Urkunde für den Faktor der gräflich „Solms’schen Glasfabrik“ aus dem Jahr 1867 heißt es: „Noch heute kann man behaupten, dass das in der Baruther Glashütte gefertigte Milchglas einzig dasteht und weder im In- noch im Auslande von gleicher Güte hergestellt wird. Der Hüttenbetrieb hat sich seitdem so erweitert, dass jährlich allein gegen eine Million Lampenglocken und das dreifache an Zylindern produziert wird. Die Fabrikate werden nach allen Erdtheilen versandt. Es bestehen gegenwärtig 4 Glasöfen, zu deren Heizung jährlich 8.000 Klafter (Raummaß für Holz) verbraucht werden.“ – wir haben den Tagesverbrauch hinter dem Museum in der Neuen Hütte aufgebaut.

In Deutschland entstanden im 19. Jahrhundert spezialisierte Beleuchtungsglasfabriken und versorgten den internationalen Markt. Einige verkehrstechnisch abgelegene Hütten versuchten, durch die Umstellung auf »Beleuchtung« den Konkurs abzuwenden. Viele Betriebe gründeten sich neu, um den »Lichthunger« der Menschen zu befriedigen. Fabrikorte in der Provinz, die bis in die 1920er Jahre keine öffentliche Beleuchtung hatten, schufen mit Ihren Produkten die Voraussetzung für die Illumination der Städte und Wohnungen. Die Nieder- und Oberlausitz wurde wegen Ihrer Nähe zum Rohstoff Sand und zum neuen Brennstoff Braunkohle zu einer ausgeprägten Standortregion der Beleuchtungsbranche.

Über 50 meist in der Provinz gelegene Fabriken fertigten die Schirme, Zylinder und mitunter auch Füße als gläserne Halbzeuge für die städtische Leuchtenindustrie. Industrieorte wie Penzig (Piensk) und Weißwasser, beide in der Oberlausitz gelegen, versammelten in mehreren Betrieben jeweils weit über 1000 Beleuchtungsglasarbeiter. Insgesamt dürften die deutschen Beleuchtungshütten um 1900 15000 Menschen beschäftigt haben. Heute arbeiten in Deutschland lediglich noch zwei spezialisierte Hersteller: Die Staatliche Glasmanufaktur Harzkristall in Derenburg und die Glashütte Limburg/Hessen.

Die heiße Formgebung durch die in „Werkstellen“ zusammenarbeitenden Glasmacher am Schmelzofen war körperlich anstrengend und wenig mechanisiert. Eine gute Anschauung der Arbeitsverhältnisse bietet ein Gemälde von Max Rosenfeld. Der Maler fand mit der Germania-Hütte in Welzow ein faszinierendes Motiv. In der Ofenhalle arbeiten die Mitglieder der Werkstellen am Hafenofen. Sie stellen im Mundblasverfahren Lampenschirme und Zylinder her. Jugendliche Einträger - häufig Söhne und Enkel der Glasmachermeister - transportieren die glühenden Artikel in die »Entspannungsöfen«. Lampen-Zylinder, die auf den Einträgergabeln balancieren, müssen noch auseinander gesprengt und geschliffen werden.

Die gelernten Glasmacher nutzen einfache Hilfsmittel wie Holz- und Metallformen, die der Formenmacher oder der Hüttenschmied nach den Maßgaben des Auftraggebers und des Glasfabrikanten herstellten. Die kalte Weiterverarbeitung erfolgte durch Absprengen der so genannten Kappen, durch Schliff oder im Ätzbad. In der Baruther Dampfschleiferei arbeiteten die Raffineure auf engstem Raum zusammen. Wegen der ungenügenden Absaugung des Staubes war die Silikose eine typische Glasschleiferkrankheit. Neben Schliff erfreuten sich auch gemalte Dekore auf Lampenschirmen und Glocken einiger Beliebtheit.

Die Wechsel der Moden und die Konkurrenz der Materialien forderten der Beleuchtungsbranche einiges ab. Große Sortimente mit Artikeln von einiger Stilunsicherheit waren deshalb typisch. Die Baruther Glashüttenwerke Alfred Kaiser (1897-1948) hatten sich mit 120 Beschäftigten bald auf marmoriertes Beleuchtungsglas spezialisiert. Das innengeschliffene Überfangglas für Deckenschalen war patentiert und konnte international abgesetzt werden.

Wenngleich die Baruther Leuchten kunsthistorisch keine Bedeutung haben, ist ein Respekt vor diesen Alltagsgegenständen einzufordern. Folgendes Zitat mag dies unterstützen.

Eduard Mörike, Auf eine Lampe

Noch unverrückt, o schöne Lampe, schmückest du,
An leichten Ketten zierlich aufgehangen hier,
Die Decke des nun fast vergessnen Lustgemachs.
Auf deiner weißen Marmorschale, deren Rand
der Efeukranz von goldengrünem Erz umflicht,
schlingt fröhlich eine Kinderschar den Ringelrein.
Wie reizend alles! Lachend und ein sanfter Geist
Des Ernstes doch ergossen um die ganze Form –
Ein Kunstgebild der echten Art. Wer achtet sein?
Was aber schön ist, selig scheint es wie ihm selbst.

Die Kunden der märkischen Glashütte waren zumeist städtische Leuchtenhersteller oder Händler. Besonders das nahegelegene Berlin hatte sich im Kaiserreich zu einer Metropole des Lichts entwickelt. Über 10000 Arbeiter montierten in ungezählten Hinterhofbetrieben aus Armaturen, Brennern und Glasteilen Leuchten.

Diese manufakturähnlichen Betriebe verdrängten Klempner und Kupferschmiede, die bis in das 19. Jahrhundert Leuchten für Petroleum und Gas hergestellt hatten. Aber auch die zentralisierten Betriebe arbeiteten weiterhin mit einfachen Werkzeugen, mit denen das Metall (Weißblech) gelötet, getrieben, geschnitten und gefalzt wurde. Der größte Brennerproduzent war die Berliner Firma Wild und Wessel. Deren seit 1870 angebotene Kosmos-Brenner waren den Wiener Flachbrennern überlegen. Jeder Brennertyp erforderte einen speziellen in französischen Linien gemessenen Querschnitt und einen besonderen Aufbau. Die Glashütten mussten sich auf diese Vorgaben einstellen und Formen für Kniff- oder Rundzylinder bauen, in die das Glas eingeblasen wurde.

Anschauung: Brenner

Ein typisches Geräusch im Alltagsleben zwischen 1800 und 1920 war das Zerspringen der Zylinder. Der großen Hitze der Gas- und Petroleumflammen konnte herkömmliches Kalk-Natron-Glas nicht dauerhaft standhalten. Mit der Erfindung des gegenüber dem direkten Gaslichts helleren Gasglühlichts im Jahr 1885 wurde dieser Misstand noch deutlicher. Otto Schott (1851-1935) setzte den Rohstoffen für die nun benötigten Spezialzylinder Borsäure zu und verbesserte so wesentlich deren Widerstandsfähigkeit. Der Erfinder Karl Auer von Welsbach (1847-1931) stülpte über die Gasflamme einen mit Thoriumoxyd getränkten Glühstrumpf, der als Medium wesentlich heller brannte als das herkömmliche Gaslicht und die elektrische Kohlefadenlampe. Das Glühlicht verschaffte Gas gegenüber Elektrizität wieder eine konkurrenzfähige Position.
Gleichzeitig entwickelte sich auch die Technik der elektrischen Glühlampen fort.
Thomas A. Edison (1847-1931) stellte 1879 seine gebrauchsfähige Glühlampe vor. Einen wichtigen Durchbruch für den alltäglichen Betrieb dieser Lampen stellte eine gesicherte zentrale Stromversorgung dar. Dem unternehmerischen Edison gelang die Einrichtung der ersten öffentlichen Stromversorgung in New York im Jahr 1883. Nun konnte das elektrische Licht auch in die Wohnungen einziehen, während es als unteilbares und sehr helles Bogenlicht mit je eigener Stromversorgung sinnvoll nur im öffentlichen Raum hatte eingesetzt werden können.

Das Bogenlicht war unteilbar: Seine ungeahnte Hellig-keit konnte nicht gedämpft werden. Es wurde deshalb vor allem auf Plätzen, Straßen und Bahnhöfen ein-gesetzt.

Die technische Grundlage für das Bogenlicht schuf Humphrey Davis um 1800. Er erzeugte eine Entladung zwischen Kohlenstäben. Davis wurde so der Vater der elektrischen Beleuchtung.

Die gezeigte Ausführung einer Bogenlampe der AEG, gestalterisch überarbeitet von Peter Behrens, steht für eine um 1900 neue »Industriekunst«.

Die Form der Bogenlampe ist bedingt durch ein Regulierwerk mit Spulen. Es hat die Funktion, zwei Kohlestäbe (Elektroden) zusammenzuführen (Glühen), auseinander zu ziehen (Zünden) und zu justieren (Abbrennen).

»Behrens-Lampe/Große Sparbogenlampe der AEG«, 1907; Leihgabe Deutsches Technikmuseum Berlin

Weitere Verbesserungen beim elektrischen Licht brachte der Einsatz des Edelmetalls Osmium für den Glühfaden. Erneut war es Auer von Welsbach, dem 1904 eine bahnbrechende Erfindung auf dem Gebiet der Lichttechnik gelang. Die Lichtausbeute seiner Osmium-Lampe erhöhte sich bei gleichzeitig vermindertem Stromverbrauch. Durch den Zusammenschluss der Kolbenwerke der AEG, Siemens’ und Auer zur Osram GmbH (Osram = Osmium u. Wolfram) im Jahr 1919 entstand ein in Mitteleuropa marktführender Konzern, der mit Werbebroschüren und einem eigenen Licht-Haus in Berlin eine intensive Aufklärungsarbeit zugunsten der elektrischen Lampe betrieb. Bei der Produktion der gläsernen birnenförmigen Kolben ergab sich ein Rationalisierungsschub. Die Kolbenblasmaschinen im Osram-Werk in Berlin-Siemensstadt gehörten zu den frühen Vollautomaten der Technikgeschichte und verdrängten das Mundblasen der Kolben an Standorten wie Weißwasser.

Für die Glasindustrie bedeutete diese technische Entwicklung Absatzrückgänge durch das Wegbrechen des Bedarfs von Zylindern und die Schließung von Mundblashütten für Glühkolben. Andererseits ließ das helle elektrische Licht zu, wieder Farbe in das Beleuchtungsglas zu geben. Waren die Schirme für Argand- und Petroleumlicht in der Regel milchweiß – weiß war die Lieblingsfarbe des Biedermeier –, fand Farbe im Jugendstil und auch in den folgenden Jahrzehnten wieder mehr Verwendung.

Während die Technik besonders bei der Glühlampenherstellung rasant fortschritt, mit dem Ziel einer erhöhten Lichtausbeute bei gleichzeitig reduziertem Stromverbrauch, fand Lichttechnik als wissenschaftliche Disziplin erst nach dem Ersten Weltkrieg Eingang in die Lehrpläne der Universitäten. 1920 bot Prof. Joachim Teichmüller an der TU Karlsruhe erstmalig eine Vorlesung an. Nicht nur Wege zu einem „Mehr Licht“, sondern auch zu einem „besseren Licht“ sollten aufgezeigt werden.

Der enorme Zuwachs der Lichtstärke bei der Glühlampe führte zu einem Wandel der Beurteilung der Beleuchtung; hatte man zunächst auf einen Zuwachs der Lichtstärke hingearbeitet, konzentrierte sich das lichttechnische Bemühen nu auf Aspekte der Blendung, des Schattens, des Lichtfalls und der Spiegelung (Kandem, S. 22)

Elektrisches Licht stand in den 1920er Jahren für moderne Technik und Rationalität, Zivilisation und eine leuchtende Zukunft. (Kandem, S. 41) Licht verband sich, insbesondere seit seiner Elektrifizierung mit Reinheit und Hygiene- Begriffe die auch die Leitideen des Bauhaus markierten.

Der wissenschaftliche Diskurs stand im Gegensatz zur Licht-Realität im Normal-Haushalt. Das Petroleum-Licht hatte selbst in Berlin noch große Anteile. 1925 sind noch 2/3 aller dt. Wohnungen nicht mit elektrischem Licht ausgestattet. In Berlin waren damals etwa 600.000 Wohnungen noch nicht elektrifiziert.

Für die Mehrzahl der Menschen galt es also weiterhin jeden morgen, die Lampe vorzubereiten und zu versorgen. Der pflegliche Umgang mit den Leuchten sollte schon den Mädchen anerzogen werde, die in ihren Puppenhäusern mit originalgetreuen Leuchten-Miniaturen den richtigen Umgang mit dem Licht spielerisch erlernen sollten.

Trotz dieser Nachteile gab es Vorbehalte gegen neue Lichtarten:
„ Die Dekoration der Wohnung erscheint in diesem kalten bläulich-weißen Licht vollkommen anders als ursprünglich beabsichtigt,“ wurde 1886 über die Wirkung des elektrischen Lichts bemerkt. Jede neue Lichtart veränderte die Wahrnehmung der Dinge.

Das Petroleumlicht wurde als halboffenes Licht mit eigener Energieversorgung gleichsam verklärt:

War es erst gestern, oder ist es wirklich schon ein halbes Jahrhundert her, dass ich meine Rechenaufgaben unter der blakenden Petroleumlampe machte? Daß plötzlich, mit einem dünnen „Klick“, der gläserne Zylinder zersprang? Und dass er vorsichtig mit dem Topflappen ausgewechselt werden musste? Heutzutage brennt die Sicherung durch, und man muß, mit dem Streichholz, eine neue suchen und einschrauben. Ist der Unterschied so groß? Nun ja, das Licht schimmert heute heller als damals, und man braucht den elektrischen Strom nicht in der Petroleumkanne einzukaufen. Manches ist bequemer geworden. Wurde es dadurch auch schöner? Ich weiß nicht recht. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Erich Kästner, Als ich ein kleiner Junge war, München 2003 (Erstausgabe um 1950).

Peter Rosegger: Die Geschichte von der Wunderlampe, In: Die weite Welt, Lesebuch zur Pflege der nationalen Bildung. Leipzig und Berlin 1897.

S. 319: Einmal nun im Advent, als wir beim Kaufmann arbeiteten und dieser spätabends aus der Stadt heimkehrte und uns um das matte Kerzenlicht kauern und lugen sah, klopfte er den Schnee von den Schuhen, blinzelte uns an und sagte: “Na Schneider, heut hab ich was heimgebracht für euch!” Und als die neuen Waren ausgepackt wurden, da kam eine stattliche (Petroleum)Lampe zum Vorschein und ein langes Rohr aus Glas, dazu ein grüner Papierschirm und ein Zwilchstreifen und ein feuchtes Fäßlein ... “Das alles miteinander”, berichtete der Kaufmann, “gehört zum neuen Licht, das aus Amerika gekommen ist; es brennt so hell wie der Tag, wirst es schon sehen...” Wir zündeten sie an und stülpten das Glas darüber; ... Ich drehte sie höher und tiefer und zuletzt so tief, daß der Docht ganz in die eichelförmige Hülse zurückging. Und jetzt ward‘s hell; aus dem Spalte strahlte eine breite, blendend weiße, rauchlose Flamme hervor; wir erschraken vor dem hellen Schein, der auf Tisch und Wand und unsern Gesichtern lag. ... Noch einmal ist die Kerze neben der neuen Lampe angezündet worden, ach wie armselig, wie totenblaß! “Schäm dich!” rief der Meister und blies sie undankbar aus. Ich aber wüßte keine Neuerung, welche beim Landvolke so rasch Eingang gefunden hat, als vor fünfundzwanzig Jahren die Petroleumlampe.

Aber nicht nur gegen das elektrische Licht sondern auch gegen frühere Formen des Kunst-Lichts hatte es Vorbehalte gegeben - die die Lichttechniker sicher befremdet hätten:

Bedenken gegen das künstliche Licht von Argand- und Gasleuchten.

Die Cölnische Zeitung schrieb 1819 über das „verwerfliche Kunstlicht“

1. aus theologischen Gründen, weil sie ein Eingriff in die Ordnung Gottes erscheint. Nach dieser ist die Nacht zur Finsternis eingesetzt, die nur zu gewissen Zeiten vom Mondlicht unterbrochen wird. Dagegen dürfen wir uns nicht auflehnen, den Weltplan nicht hofmeistern, die Nacht nicht in den Tag verkehren wollen.

2. aus juristischen Gründen; weil die Kosten dieser Beleuchtung durch eine indirekte Steuer aufgebracht werden sollen. Warum soll dieser und jener für eine Einrichtung zahlen, die ihm gleichgültig ist, da sie ihm keinen Nutzen bringt, oder ihn gar in manchen Verrichtungen stört?

3. aus medizinischen Gründen; die Öl und Gasdünstung wirkt nachtheilig auf die Gesundheit schwachleibiger oder zartnerviger Personen, und legt auch dadurch zu vielen Krankheiten den Stoff, indem sie den Leuten das nächtliche Verweilen auf den Strassen leichter und bequemer macht, und ihnen Schnupfen, Husten und Erkältungen auf den Hals zieht.

4. aus philosophisch-moralischen Gründen; die Sittlichkeit wird durch Gassenbeleuchtung ver- schlimmert. Die künstliche Helle verscheucht in den Gemütern das Grauen vor der Finsternis, das die Schwachen von mancher Sünde abhält. Diese Helle macht den Trinker sicher, dass er in den Zechstuben bis in die Nacht hinein schwelgt, und sie verkuppelt verliebte Paare.

5. aus polizeilichen Gründen; sie macht die Pferde scheu und die Diebe kühn.

6. aus staatspolitischen Gründen; für den Leuchtstoff, Öl oder Steinkohle, geht jährlich eine bedeutende Summe ins Ausland, wodurch der Nationalreichtum geschwächt wird.

7. aus volkswirtschaftlichen Gründen; öffentliche Feste haben den Zweck, das Nationalgefühl zu erwecken. Illuminationen sind hierzu vorzüglich geschickt. Dieser Eindruck wird aber geschwächt, wenn derselbe durch allnächtliche Quasi-Illumination abgestumpft wird. Daher gafft sich der Landmann toller in dem Lichtglanz als der lichtgesättigte Großhändler.

Wenngleich die über 100jährige Geschichte der Beleuchtungsglasherstellung in Baruth 1952 endete, als der mittlerweile volkseigene Betrieb seine Produktion auf Gärballons herstellte, versucht das Museum Baruther Glashütte die Tradition zu bewahren. Eine umfangreiche Sammlung von Beleuchtungsgläsern, Künstler-Lampen und lebendige Handwerkstechniken am Ofen sind Wege, den „Zauber gefrorenen Lichts“ zu entdecken.

Noch eine literarische Zugabe:

Johann Wolfgang Goethe

Selige Sehnsucht

Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet,
was lebend’ge will ich preisen,
was nach Flammen hold sich sehnet.

In der Liebesnächte (??) Kühlung
Wie dich zeugte? , wo du zeugtest
Überfällt dich fremde
Wenn die stille Kerze leuchtet.

Nicht mehr bleibest du umfangen
In der Freiste und Beschaltung
Und dich reisset neu Verlangen
Auf zu höherer Begattung.

Keine Ferne? Macht dich schwierig
Kommst geflogen und gebannt
Und zuletzt, des lichts beheilig?
Bist du Schmetterling verbrannt.

Und so lag du das nicht hast,
wisse?: stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

Vielen Dank für Ihr Interesse