Anlässlich der heutigen Bildungskonferenz “Zeit für eine Bildungsreform” erklären der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Müller, der bildungs- und forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jörg Tauss, sowie der stellvertretende Sprecher, Dr. Ernst-Dieter Rossmann:
10.06.2002 | Zeit für eine Bildungsreform
Pressemitteilungen
Nach Veröffentlichung der PISA-Studie steht die Bildungsfrage endlich wieder in der öffentlichen Diskussion. Das schlechte Abschneiden unserer Schülerinnen und Schüler im internationalen Vergleich hat die Menschen im Land aufgerüttelt. Jetzt kommt es darauf an, die richtigen Reformen auf den Weg zu bringen.
Bildung und Forschung haben für Sozialdemokraten Priorität. Wir haben die Ausgaben erhöht und wichtige Reformen auf den Weg gebracht. Dabei setzen wir vor allem auf Chancengleichheit in der Bildung. Dies ist zukunftsweisend, ganz im Gegensatz zu den Ideen des Unionskanzlerkandidaten. Familiengeld statt Ganztagsbetreu ung, Elite statt der Förderung aller Kinder und eine Rückkehr zum Kaputtsparen des Bildungsetats wie unter Kohl – so lautet sein Programm.
Mehr Selektion, weniger Breitenförderung, weniger Integration - das sind die gescheiterten Konzepte der Konservativen. Mehr Förderung von schwächeren und exzellenten Schülerinnen und Schülern in der Breite ist unabdingbar. Mehr Ganztagsunterricht und besserer Unterricht ist das Ziel sozialdemokratischer Bildungs politik in Bund und Ländern.
Wissen zu erschließen und gezielt zu nutzen, sind die wichtigsten Fähigkeiten, die ein Mensch und eine Gesellschaft heute besitzen können. Diese Fähigkeiten sowie ziel- und wertorientiertes Urteilsvermögen vermitteln dem Einzelnen Orientierung in einer immer komplexeren Welt. Sie sind Voraussetzung für Verständnis und Toleranz, schaffen die Grundlage für gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe und bilden eine Voraussetzung für die aktive Gestaltung des wirtschaftlichen, technologischen und wissenschaftlichen Wandels.
Alarmierend ist für uns als Sozialdemokraten insbesondere, dass in Deutschland nach wie vor die soziale Herkunft grundsätzlich über Bildungsweg und Leistung entscheidet. Unser Bildungssystem gleicht soziale Unterschiede nicht aus. Eine Entkoppelung zwischen sozialer Herkunft und Schulleistung findet im Vergleich mit anderen Staaten nicht in zufriedenstellender Weise statt. Dies wird insbesondere auch bei der Gruppe der nicht hier geborenen ausländischen Jugendlichen deutlich.
Eine innovative und zukunftsfähige Bildungspolitik hat die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrem sozialen und wirtschaftlichen Hintergrund und ihrer ethnischen und kulturellen Herkunft die Bildungsangebote wahrnehmen können, die ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechen. Chancengleichheit und differenzierte Leistungsförderung sind Voraussetzungen für die Verwirklichung individueller Lebensziele und die verantwortliche Weiterentwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft.
Angesichts der schwerwiegenden Befunde müssen alle bildungspolitisch Verantwortlichen sorgfältig abwägen, was aus welchen Ergebnissen gefolgert werden kann. Hierzu müssen wir auch weit über den “Tellerrand” hinausblicken und uns mit den Befunden für andere Staaten im Sinne eines “best-practice”-Vergleichs befassen. Dadurch wird der hierzulande enge Raum der möglichen Interpretationen wie Reaktionen erweitert.
Primär angesprochen sind die Länder, die über die Kultusministerkonferenz in einer gemeinsamen Erklärung zu PISA Wege aufgezeigt haben, die anstehenden Probleme zu lösen. Eine Debatte über die Zuständigkeitsverteilung im Bildungswesen wäre Verschwendung von Zeit, zumal verfassungsändernde Mehrheiten nicht in Sicht sind. Darüber sind sich inzwischen alle einig. Es geht darum, dass alle Verantwortlichen in jeweiliger Zuständigkeit das ihnen Mögliche tun, und das möglichst rasch und koordiniert. Hierin liegt auch eine große Chance für die Bewährung des “kooperativen Föderalismus”.
Die Schlussfolgerungen des Forums Bildung, die an Bund, Länder und Kommunen gerichtet sind, zeigen auf, dass über Partei- und Verbandsgrenzen hinweg wichtige Weichenstellungen für ein besseres Bildungssystem möglich sind. Wir begrüßen die zwölf Empfehlungen des Forums Bildung, die folgende Schwerpunkte als vordringlich herausstellen:
Mit einer nationalen Bildungsberichterstattung und der Einrichtung eines gemeinsamen Sachverständigenrates von Bund und Ländern, die wir auf den Weg bringen werden, werden wir die Bildungsreform vorantreiben, denn jede Reform muss durch handlungsorientierte Forschung begleitet und unterstützt werden. Sie muss sich auf eine gute Datenlage stützen können, die Tendenzen und Fehlentwicklungen rechtzeitig erkennen lässt, Auswirkungen von Veränderungen dokumentiert und den Vergleich mit anderen Staaten in Europa und darüber hinaus ermöglicht. Vorgesehen ist die Analyse und die Entwicklungsplanung der verschiedenen Bildungsbereiche, von der außerschulischen Bildung bis zur Schul-, Berufs-, Hochschul- und der Weiterbildung.
Die Reform und Bedeutung der Lehrerbildung und –fortbildung, die Erziehungsaufgaben der Eltern und die allgemeine Wertschätzung der Leistungen, die Schule in ihrem Umfeld erbringen kann, wollen wir stärker in den Mittelpunkt der Bildungspolitik rücken.
PISA hat gezeigt, dass Finanzen eine wichtige, aber nicht die alleinige Voraussetzung für Verbesserungen sind. Die Ausgaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sind seit dem Regierungsantritt um 21,5 Prozent gestiegen. Die Länder sind ebenfalls gefordert. Wir begrüßen die Vorreiterrolle des Landes Rheinland-Pfalz beim Beschreiten neuer Wege, wie bei den Ganztagsschulen.
Wir erwarten von der heutigen Veranstaltung weitere Impulse für unsere Bildungspolitik und wollen ein Signal an alle Beteiligten senden, sich aktiv für die Verbesserung unseres Bildungssystems einzusetzen.
Bildung und Forschung haben für Sozialdemokraten Priorität. Wir haben die Ausgaben erhöht und wichtige Reformen auf den Weg gebracht. Dabei setzen wir vor allem auf Chancengleichheit in der Bildung. Dies ist zukunftsweisend, ganz im Gegensatz zu den Ideen des Unionskanzlerkandidaten. Familiengeld statt Ganztagsbetreu ung, Elite statt der Förderung aller Kinder und eine Rückkehr zum Kaputtsparen des Bildungsetats wie unter Kohl – so lautet sein Programm.
Mehr Selektion, weniger Breitenförderung, weniger Integration - das sind die gescheiterten Konzepte der Konservativen. Mehr Förderung von schwächeren und exzellenten Schülerinnen und Schülern in der Breite ist unabdingbar. Mehr Ganztagsunterricht und besserer Unterricht ist das Ziel sozialdemokratischer Bildungs politik in Bund und Ländern.
Wissen zu erschließen und gezielt zu nutzen, sind die wichtigsten Fähigkeiten, die ein Mensch und eine Gesellschaft heute besitzen können. Diese Fähigkeiten sowie ziel- und wertorientiertes Urteilsvermögen vermitteln dem Einzelnen Orientierung in einer immer komplexeren Welt. Sie sind Voraussetzung für Verständnis und Toleranz, schaffen die Grundlage für gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe und bilden eine Voraussetzung für die aktive Gestaltung des wirtschaftlichen, technologischen und wissenschaftlichen Wandels.
Alarmierend ist für uns als Sozialdemokraten insbesondere, dass in Deutschland nach wie vor die soziale Herkunft grundsätzlich über Bildungsweg und Leistung entscheidet. Unser Bildungssystem gleicht soziale Unterschiede nicht aus. Eine Entkoppelung zwischen sozialer Herkunft und Schulleistung findet im Vergleich mit anderen Staaten nicht in zufriedenstellender Weise statt. Dies wird insbesondere auch bei der Gruppe der nicht hier geborenen ausländischen Jugendlichen deutlich.
Eine innovative und zukunftsfähige Bildungspolitik hat die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrem sozialen und wirtschaftlichen Hintergrund und ihrer ethnischen und kulturellen Herkunft die Bildungsangebote wahrnehmen können, die ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechen. Chancengleichheit und differenzierte Leistungsförderung sind Voraussetzungen für die Verwirklichung individueller Lebensziele und die verantwortliche Weiterentwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft.
Angesichts der schwerwiegenden Befunde müssen alle bildungspolitisch Verantwortlichen sorgfältig abwägen, was aus welchen Ergebnissen gefolgert werden kann. Hierzu müssen wir auch weit über den “Tellerrand” hinausblicken und uns mit den Befunden für andere Staaten im Sinne eines “best-practice”-Vergleichs befassen. Dadurch wird der hierzulande enge Raum der möglichen Interpretationen wie Reaktionen erweitert.
Primär angesprochen sind die Länder, die über die Kultusministerkonferenz in einer gemeinsamen Erklärung zu PISA Wege aufgezeigt haben, die anstehenden Probleme zu lösen. Eine Debatte über die Zuständigkeitsverteilung im Bildungswesen wäre Verschwendung von Zeit, zumal verfassungsändernde Mehrheiten nicht in Sicht sind. Darüber sind sich inzwischen alle einig. Es geht darum, dass alle Verantwortlichen in jeweiliger Zuständigkeit das ihnen Mögliche tun, und das möglichst rasch und koordiniert. Hierin liegt auch eine große Chance für die Bewährung des “kooperativen Föderalismus”.
Die Schlussfolgerungen des Forums Bildung, die an Bund, Länder und Kommunen gerichtet sind, zeigen auf, dass über Partei- und Verbandsgrenzen hinweg wichtige Weichenstellungen für ein besseres Bildungssystem möglich sind. Wir begrüßen die zwölf Empfehlungen des Forums Bildung, die folgende Schwerpunkte als vordringlich herausstellen:
- Frühe Förderung
- Individuelle Förderung
- Lernen, ein Leben lang
- Lernen, Verantwortung zu übernehmen
- Die Lehrenden: Schlüssel für die Bildungsreform
- Gleiche Teilhabe von Frauen und Männern als durchgängiges Leitprinzip
- Kompetenzen für die Zukunft: solides Fachwissen und fachübergreifende
- Chancen der neuen Medien nutzen
- Ausgrenzung vermeiden und abbauen
- Bildung und Qualifizierung von Migrantinnen und Migranten
- Lernorte öffnen und verknüpfen
- Mehr Eigenverantwortung für Bildungseinrichtungen, Lernen aus Evaluationen
Mit einer nationalen Bildungsberichterstattung und der Einrichtung eines gemeinsamen Sachverständigenrates von Bund und Ländern, die wir auf den Weg bringen werden, werden wir die Bildungsreform vorantreiben, denn jede Reform muss durch handlungsorientierte Forschung begleitet und unterstützt werden. Sie muss sich auf eine gute Datenlage stützen können, die Tendenzen und Fehlentwicklungen rechtzeitig erkennen lässt, Auswirkungen von Veränderungen dokumentiert und den Vergleich mit anderen Staaten in Europa und darüber hinaus ermöglicht. Vorgesehen ist die Analyse und die Entwicklungsplanung der verschiedenen Bildungsbereiche, von der außerschulischen Bildung bis zur Schul-, Berufs-, Hochschul- und der Weiterbildung.
Die Reform und Bedeutung der Lehrerbildung und –fortbildung, die Erziehungsaufgaben der Eltern und die allgemeine Wertschätzung der Leistungen, die Schule in ihrem Umfeld erbringen kann, wollen wir stärker in den Mittelpunkt der Bildungspolitik rücken.
PISA hat gezeigt, dass Finanzen eine wichtige, aber nicht die alleinige Voraussetzung für Verbesserungen sind. Die Ausgaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sind seit dem Regierungsantritt um 21,5 Prozent gestiegen. Die Länder sind ebenfalls gefordert. Wir begrüßen die Vorreiterrolle des Landes Rheinland-Pfalz beim Beschreiten neuer Wege, wie bei den Ganztagsschulen.
Wir erwarten von der heutigen Veranstaltung weitere Impulse für unsere Bildungspolitik und wollen ein Signal an alle Beteiligten senden, sich aktiv für die Verbesserung unseres Bildungssystems einzusetzen.
Veröffentlicht am 10.06.2002






