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10.04.2008 | OECD-Empfehlungen bestätigen sozialdemokratische Bildungs- und Familienpolitik

Pressemitteilungen

Zu den von der OECD im "Wirtschaftsbericht Deutschland” veröffentlichten bildungspolitischen Empfehlungen erklären die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Christel Humme und der bildungs- und forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Jörg Tauss:

OECD-Empfehlungen bestätigen sozialdemokratische Bildungs- und Familienpolitik

Mit ihren jüngsten Empfehlungen bestätigt die OECD einmal mehr: Die Ansätze sozialdemokratischer Bildungs- und Familienpolitik für mehr Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen sind richtig. Es muss endlich gelingen, die Bildungschancen von Kindern von der sozialen Herkunft zu entkoppeln. Dazu sind tiefgreifende Reformen nötig. Wir müssen die Selektivität des Bildungssystems abbauen und die Durchlässigkeit deutlich verbessern. Die Empfehlungen der OECD sind eine Mahnung, die Debatten zur frühkindlichen und schulischen Bildung zu entideologisieren und föderale Kompetenzstreitigkeiten zu überwinden.

Eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben ist der Ausbau der Kinderbetreuung. Es geht um bessere Bildungschancen für unsere Kinder und die lange überfällige bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Eltern. Untersuchungen belegen, dass der Besuch einer Kinderkrippe die Bildungschancen aller Kinder deutlich verbessert. Besonders profitieren benachteiligte Kinder. Ihre Aussichten, das Gymnasium zu besuchen, steigen deutlich. Dass wir den Ausbau der Kinderbetreuung vorangebracht und den Rechtsanspruch auf Bildung und Betreuung für alle Kinder ab Eins in der Koalition durchgesetzt haben, war daher goldrichtig.

Aber auch in der Schule müssen Kinder und Jugendliche besser individuell gefördert werden. Und sie müssen länger gemeinsam lernen. Je früher Kinder nach ihrer vermeintlichen Begabung auf verschiedene Schulformen verteilt werden, desto größer ist die Gefahr von Fehlurteilen durch Lehrer wie Eltern. Diese Feststellung der OECD ist richtig. Daher brauchen wir in Deutschland endlich eine Entideologisierung der Schulstrukturdebatte. Fest steht: Das deutsche Schulsystem selektiert zu früh und verstärkt die unterschiedliche herkunftsbedingte Chancenungleichheit. Das dreigliedrige Schulsystem hat kläglich versagt. Es ist erfreulich, dass inzwischen einige Bundesländer wie Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein entsprechende Reformen eingeleitet haben.

Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deswegen bietet der für Herbst angekündigte Bildungsgipfel von Bund und Ländern wichtige Chancen für das deutsche Bildungssystem. Es wird aber darauf ankommen, dass ein von Bund und Ländern unterzeichnetes Dokument auch wirklich die tatsächlichen Herausforderungen aufgreift und nicht nur Scheinlösungen enthält. Wir brauchen belastbare Vereinbarungen, um die Chancengleichheit und Durchlässigkeit im Bildungssystem zu stärken, die Qualität der Bildung zu verbessern und die Zahl der Schulabbrecher deutlich zu reduzieren.