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04.12.2007 | PISA: Deutschland muss besser werden – zum Jubel kein Anlass

Pressemitteilungen

Zur heutigen Veröffentlichung der OECD Bildungsstudie PISA erklären der bildungs- und forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jörg Tauss, MdB und der stv. Sprecher Dr. Ernst Dieter Rossmann, MdB:

PISA: Deutschland muss besser werden – zum Jubel kein Anlass

Berlin. Die aktuelle PISA-Studie fordert die Bildungspolitik in Bund und Ländern zu entschlossenem Handeln auf. Jubelarien und allseitiges Schulterklopfen, vor allem der zuständigen Länderminister der Union, waren voreilig und sachlich nicht gerechtfertigt. Zum Jubel besteht kein Anlass. Die Kompetenzen der deutschen Schülerinnen und Schüler in Lesen und Rechnen sind nach wie vor internationales Mittelmass. Die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom sozialen Status der Eltern ist in Deutschland immer noch überdurchschnittlich stark ausgeprägt. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sind in ihren Bildungschancen deutlich benachteiligt. Das deutsche Schulsystem selektiert zu früh und verstärkt die unterschiedliche herkunftsbedingte Chancenungleichheit. Das dreigliedrige Schulsystem hat kläglich versagt. Der zu langsame Aufstieg deutscher Schülerinnen und Schüler in das obere Drittel der OECD-Länder beim naturwissenschaftlichen Leistungsvergleich macht deutlich, wie notwendig und dringend bildungspolitische Veränderungen in Deutschland sind. Wir brauchen endlich ein Schulsystem, in dem Kinder so lange wie möglich gemeinsam lernen- am besten bis zur zehnten Klasse, wie es Finnland erfolgreich vormacht. Als führende Wissenschafts- und Wirtschaftsnation können wir uns mit den heute veröffentlichten Ergebnissen als Folge der deutscher Sonderwege deshalb nicht abfinden. Wir stehen noch lange nicht am Ende des Aufholprozesses. Im Gegenteil.

Deutschland brauchte mit PISA erst den Anstoß von außen, um Verkrustungen aufzubrechen und um zu einer echten Bildungsdebatte und zu Bildungsreformen zu kommen. Dafür gebührte der OECD und auch Herrn Schleicher Dank, statt der jetzt laut werdenden kleinkarrierter Kritik verletzter Eitelkeiten. Die nahezu unglaubliche Forderung des niedersächsischen Ministers Busemann, aus internationalen Vergleichen auszusteigen, sind ein gefährlicher Irrweg und international gesehen bildungspolitischer Autismus. Die SPD- Bundestagsfraktion lehnt es ab, Ergebnisse zu ignorieren, die aus ideologischen Günden nicht gefallen. Das ist weder wissenschaftlich noch politisch besonders intelligent.

Ohne PISA hätte auch die SPD - geführte Bundesregierung und Edelgard Bulmahn das Ganztagsschulprogramm – und damit die bisher größte Strukturreform im Schulbereich – sicher niemals durchsetzen können. Überraschend positiv muten dem gegenüber derzeit Äußerungen von Unionspolitikern an, die nun eingesehen haben wollen, dass die Frage der Herstellung von Chancengleichheit in der Bildung eine gesamtstaatliche Aufgabe sei. Richtig: Bildung muss ein nationales Thema sein, wie Herr Röttgen (CDU) zitiert wurde. Und: Föderalismus in der Bildung darf nicht zu Kleinstaaterei führen, wie es Frau Schavan (CDU) nun ebenfalls unterstreicht.

So richtig diese Einsichten sind, so spät kommen sie. Wo waren diese verspäteten Kooperations - Föderalisten, als die SPD-Bundestagsfraktion mit den Bildungsverbänden und Gewerkschaften für eine bessere Föderalismusreform in der Bildung gekämpft hat? Schavan wie Röttgen forderten mit dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch das Finanzhilfeverbot des Bundes im Schulbereich. Für den Hochschulbereich konnte die SPD dieses Kooperationsverbot in letzter Minute noch kippen und damit wichtige Initiativen wie den Hochschulpakt oder jüngst das Professorinnenprogramm erst ermöglichen. Wenn die Union nun bildungspolitisch endlich erwacht, wäre das nur zu begrüßen.