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18.10.2007 | OECD-Studie:Chancenungleichheit und hausgemachter Fachkräftemangel bleiben Probleme unseres Bildungssystems

Pressemitteilungen

Anlässlich der heute vorgestellten OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2007" erklärt der zuständige Berichterstatter, Dr. Ernst-Dieter Rossmann, MdB, und der bildungs- und forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jörg Tauss, MdB:

Nach wie vor gelingt es Deutschland nicht, seine enormen Bildungspotenziale zu nutzen und die Dynamik der aufholenden Staaten aufzunehmen. Dies bestätigt einmal mehr die aktuelle OECD-Vergleichsstudie zu Bildungsbeteiligung und Bildungserfolg in den Mitgliedstaaten sowie einzelnen Partnerländern. Nach wie vor liegen wir in zentralen Indikatoren unterm OECD-Durchschnitt, weiterhin ist der Erfolg der Integrationsbemühungen in der Schule für sozial Schwache und Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland sogar rückläufig. Auch wenn die Zahlenbasis mit 2004 und 2005 zurückliegt, so ist doch eines klar festzuhalten: Deutschland darf in der Erhöhung seiner Bildungsanstrengungen nicht nachlassen, um im internationalen Bildungswettbewerb nicht zurückzufallen. Bund und Länder müssen das fortsetzen, was sie mit dem erfolgreichen Ganztagsschulprogramm, den nationalen Bildungsstandards und dem Hochschulpakt 2020 begonnen haben. Die SPD-Bundestagsfraktion hofft dies demnächst – wenn die Union ihre Widerstände aufgibt – mit der deutlichen Erhöhung des BAföG um 10 Prozent der Bedarfssätze und 8 Prozent der Einkommensgrenzen fortsetzen zu können.

Kernergebnisse der Studie sind zum Einen die Bestätigung bisheriger Befunde, dass Beschäftigungs- und damit individuelle Lebenschancen mit steigenden Bildungsniveaus zunehmen. Bildungsanstrengungen sind nach wie vor die beste Investition in die Zukunft sowohl von Menschen als auch des Landes. Hier fällt bereits auf, dass Deutschland im internationalen Vergleich rückläufige Bildungsausgaben aufweist gemessen am BIP-Anteil. Während der OECD-Durchschnitt 2004 auf 5,5% gestiegen ist, sank der Anteil in Deutschland um 0,2 auf 5,2%, die USA wendeten im gleichen Zeitraum 7,4% auf. Während Deutschland in der akademischen Ausbildung pro Kopf überdurchschnittlich investiert, liegt es im Primarbereich deutlich unter dem OECD-Durchschnitt. Also genau in der Phase, wo aufgrund der – ebenfalls jedes Jahr aufs neue belegten – sozialen Selektivität unseres gegliederten Schulsystems die Weichen für die Bildungskarriere gestellt werden, wendet Deutschland daher im vergleich weniger Mittel auf. Dies muss sich ändern, sollen die angekündigten Initiativen zur frühkindlichen Bildung oder auch Halbierung der Schulabbrecherzahlen erfolgreich sein.

Wieder einmal belegt die Studie zweitens anhand von Auswertungen von PISA 2003, dass in Deutschland der Bildungserfolg weiterhin fundamental von sozialer Herkunft abhängig ist. So sind am Beispiel des Mathematikunterrichts die Ergebnisse von Inländern und Migrantinnen verglichen worden. Das Ergebnis ist erschütternd: erstens ist der Leistungsunterschied zu Gunsten der Inländer enorm (etwa 70% schlechtere Leistungen), und zweitens ist dieser Abstand zur zweiten Generation der Migranten sogar noch stark gewachsen (über 90% schwächere Leistungen im Vergleich). Dieser Befund ist einzigartig und stellt ein negatives Alleinstellungsmerkmal Deutschlands im Vergleich dar. Offenbar gelingt es unserem Bildungssystem zunehmend weniger, junge Menschen mit Migrationshintergrund der zweiten oder dritten Generation hinreichend schulisch zu integrieren und damit die Voraussetzungen für gesellschaftliche Integration und Teilhabe zu schaffen. Dies ist ein bildungspolitischer Skandal und Bund, Länder und Kommunen bleiben aufgefordert, an dieser Stelle zumindest eine Trendumkehr zu erreichen.

Die SPD-Bundestagsfraktion begrüßt die Initiativen von Bund und Ländern, über die gemeinsame Bildungsberichterstattung hinaus zu noch besseren und vergleichbaren Daten zu unserem Bildungssystem zu kommen. Schulevaluationen und Bildungsmonitoring werden hier sicher einen Beitrag leisten können. Insgesamt sind die Probleme erkannt und zentrale Initiativen auf den Weg gebracht. Wir sind sicher, dass dies sich dann auch in Zukunft positiver in den Vergleichsstudien niederschlagen wird. Ebenso so sicher ist, dass Bund, Länder, Kommunen und auch die Wirtschaft gerade jetzt nicht nachlassen dürfen.