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02.02.2007 | „Klimawandel ist die größte Herausforderung dieses Jahrhunderts“

Pressemitteilungen

Zur Vorlage der ersten Teils des vierten Sachstandberichts des „Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen“ (IPCC) erklären der umweltpolitische Sprecher der SPD-Bundestags-fraktion, Marco Bülow, der klimaschutzpolitische Sprecher, Frank Schwabe, der bildungs- und forschungspolitische Sprecher, Jörg Tauss und Dieter Grasedieck, Berichterstatter für Klimaforschung:

Der Bericht des IPCC macht nochmals ganz deutlich: der Klimawandel ist menschengemacht und schreitet rascher voran als bisher angenommen. Noch 2001 hat der IPCC mit 66-prozentiger Sicherheit angenommen, dass der Mensch hauptverantwortlich für den Klimawandel ist, jetzt sind es 90 Prozent. Dieser neue Bericht führt uns erneut vor Augen, in welch besorgniserregendem Zustand sich das globale Klimasystem befindet.

Die Experten haben eine Reihe von Kernaussagen getroffen: Die Konzentration der Treibhausgase liegt deutlich höher als jemals zuvor in den letzen 650.000 Jahren und ihr Anstieg ist höher als in den letzten 20.000 Jahren. Ohne Klimaschutzmaßnahmen prognostizieren die Rechenmodelle über alle Szenarien hinweg einen Anstieg der globalen Mitteltemperatur um 1,1 bis 6,4°C bis 2100, eine Zunahme von 0,2°C pro Jahrzehnt für die nächsten 30 Jahre ist sehr wahrscheinlich, d.h. zu mehr als 90 % sicher. Weiterhin wird ein Anstieg des Meeresspiegels bis 2100 zwischen 18 und 59 Zentimeter vorausgesagt.

Das Wissen über regionale Klimaänderungen ist aufgrund besserer Rechenmodelle und –kapazitäten größer geworden. Wenn keine Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden, nimmt die Erwärmung der Kontinente und besonders der nördlichen Polregionen weiter zu. Wenn jetzt nichts gegen den Anstieg der Treibhausgase getan wird, ist laut IPCC ein weltweiter Temperaturanstieg von unter 1,5°C sehr unwahrscheinlich, ein solcher von mehr als 4,5°C nicht auszuschließen. Als am wahrscheinlichsten gelten 3 Grad. Allerdings ist die überraschend starke Eisschmelze in der Arktis noch gar nicht in die Modellrechnungen des IPCC einbezogen. Der Meeresspiegel könnte also noch weiter ansteigen, als jetzt schon befürchtet. In der Arktis könnte es bis zu 6°C wärmer werden, was zum Abschmelzen des grönländischen Eisschilds und zu einem Anstieg des Meeresspiegels um 7 Meter führen könnte. Mit weltweit dramatischen Folgen. Davon würde auch Deutschland nicht verschont bleiben. Neben der Vorlage der neuen Daten lautet eine Kernbotschaft, dass wir eine deutlich intensivere Klimaforschung betreiben und für die schnellstmögliche Verbreitung klimaschonender Technologien sorgen müssen.

Man darf sich keine Illusionen machen: der Klimawandel macht auch vor unserer Haustür nicht Halt. Das alles würde eben nicht nur bedeuten, dass die Sommer an der Ostsee heißer werden und man in den Alpen nicht mehr Skifahren kann; wenn wir jetzt nichts unternehmen, drohen auch uns vermehrt Jahrhundertfluten, Stürme wie „Kyrill“ und starke Unwetter, wie man sie in diesen Breitengraden bisher nicht kannte.

Die Zeit der Skeptiker und Blockierer in Sachen Klimawandel ist endgültig vorbei. Wir brauchen die folgenden Berichtsteile nicht mehr mit Spannung abzuwarten, sondern sollten uns im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft und auf dem G8-Gipfel im Juni für klare Schlussfolgerungen über die europäischen Klimaziele (Reduktion der Treibhausgasemissionen in den Industrieländern um 30 Prozent bis 2020 und 60 – 80 Prozent bis 2050), einsetzen. Deutschland will da mit 40 Prozent mit gutem Beispiel vorangehen. Die Völkergemeinschaft der Industrie- als auch der Entwicklungsländer braucht ein UN-Nachfolgeprotokoll für Kyoto, die USA und Australien müssen mit ins Boot.

Die Pläne zu vielen wichtigen Klimaschutzinstrumenten liegen auf dem Tisch. Wir fordern von der Regierung und dem Bundestag deshalb ein:

  • Auf die Vorgaben der EU zum Emissionshandel (NAPII) einzugehen, um im Sinne des Klimaschutzes an einem Strang zu ziehen.
  • Die deutsche Autoindustrie an ihrer Selbstverpflichtung für den Kohlendioxid-Ausstoß zu messen und verbindliche Grenzwerte festzulegen.
  • Noch in diesem Jahr ein erneuerbares Wärmegesetz auf den Weg zu bringen.
  • Das Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz zu novellieren und zu einem wirksameren Klimaschutzinstrument auszubauen.
  • Dem Top-Runner-Programm auf EU-Ebene endlich zum Durchbruch zu verhelfen.
  • Die Steuerbevorteilung des klimaschädlichen Flugverkehres in Bezug zu anderen Verkehrsmitteln endlich abzubauen.
  • Den Aufbau einer internationale Agentur für erneuerbare Energien voranzutreiben.
  • Sas Aktionsprogramm zum Klimawandel mit den Koalitionsfraktionen abzustimmen und die Klimaschutzforschung auch auf Energieeffizienz und Erneuerbare Energien zu konzentrieren.